22.1.2010

Klimawandel – die neue “amtliche” Weltreligion?

Einen bemerkenswerten Artikel hat Carlos A. Gebauer auf achgut geschrieben:

Dient die Weltklimapolitik einer naturreligiösen Staatslegitimation?

Der Klimawandel spricht – erstens – menschliche ExistenzĂ€ngste an. Kommen Fluten oder DĂŒrren, mĂŒssen wir sterben. Also sind wir in diesen unsicheren Zeiten bereit, zu handeln und zu zahlen, obwohl wir doch eigentlich wissen, dass uns die finanziellen Mittel hierzu weltweit fehlen.

Selbst wenn es uns nicht persönlich treffen sollte, sondern beispielsweise nur ein paar SĂŒdsee-Inseln untergingen, bleibt das Weltklima – zweitens – gleichwohl noch immer fĂŒr den gesellschaftlichen Diskurs attraktiv. In diesem Falle nĂ€mlich können wir uneigennĂŒtzig gut sein und fĂŒr andere Opfer bringen. Das beruhigt ungemein und schmĂŒckt das eigene Gewissen.

Da wir zudem – drittens – in unserem Westen nicht mehr unter den handlungsleitenden Drohungen eines mahnenden Gottes leben, sind unsere allgemeinen Sanktionserwartungen ohnehin wieder in die Kategorien des Naturreligiösen zurĂŒckgefallen: Nicht der Herrgott wird uns fĂŒr unsere ökologischen Vergehen strafen, sondern die Allnatur selbst. Lebten wir also fortan sĂŒndig, fiele uns zuletzt der Himmel auf den Kopf. Dem gilt es selbstverstĂ€ndlich zu begegnen.

Am besten – viertens – mit massiven technischen Anstrengungen, die ihrerseits, selbstredend, wieder gehöriger staatlicher Organisation bedĂŒrfen. Ordnung soll schließlich sein, denn wir wollen im Zeitalter der allumfassenden menschlichen Beherrschbarkeiten schließlich nichts dem freien Spiel der KrĂ€fte ĂŒberlassen.

Hierhinein fĂŒgt sich dann – fĂŒnftens – die Überzeugung, dass wir unserer Einen Welt auch die Demokratie als maßgebliches politisches Herrschaftsinstrument nahebringen wollen: Und weil das Weltklima uns alle angeht, kann und darf bei dieser grenzenlos existentiellen Frage niemand auf dem Globus mehr abseits stehen. Anders gewendet:

Wer Zweifel gegen die anthropogen steuerbare Beeinflussung des Weltklimas erhebt, der marginalisiert sich unmittelbar selbst. Hier treffen die Panikarchitektur von Welthunger, Weltarmut, Weltterror und Weltklima aufeinander: Jeder Kritiker ergriffener Maßnahmen wird unter den Verdacht gestellt, den Hunger zu akzeptieren, Armut zu banalisieren, Terroropfer hinzunehmen oder schlicht Flutkatastrophen kleinzureden. Alle aber sind sich einig: Das geht gar nicht.

Mehr dazu hier

21.1.2010

In den HĂ€nden von Propheten

» Klimareligion, Klimawandel, Ökologismus » Autor: Tomislav — Drucken

Gott Globus – Umweltschutz als neue Weltreligion gefunden bei Science Skeptical.

Darin sagt der Soziologe Norbert Bolz:

“Selten waren wir in den letzten Jahrzehnten weiter entfernt von LiberalitĂ€t und einer Art MassenaufklĂ€rung als heute. Ganz im Gegenteil, wir sind wieder in die HĂ€nde von Propheten geraten.”

Wir brauchen in der Tat eine neue AufklÀrung.

26.12.2009

De la ideologĂ­a climĂĄtica

Immer wieder erlebt man bei der LektĂŒre von “alten Schriften” (damit sind Werke gemeint, die aus der Zeit vor dem Google-Copy-Paste-Syndrom stammen) so genannte Aha-Momente. Momente in denen solche Schriften nahezu prophetische Perspektiven eröffnen – oder einfach nur zeigen, dass die Menschheit seit damals nicht wirklich weiter gekommen ist.

Eines jener Werke ist zum Beispiel das 1976 veröffentlichte Werk des Sozialpsychologen Erich Fromm: Haben oder Sein (Untertitel: die seelischen Grundlagen einer neuen Gesellschaft).

Er beschreibt darin “Glaube” als das Ansammeln von vorgefertigten Antworten, die einem ein ZugehörigkeitsgefĂŒhl verschaffen. Gott, verkomme dabei zu einem Idol:

Das bedeutet im Sinne der Propheten, ein von Menschen gemachtes Ding, auf das der Mensch seine eigenen KrĂ€fte projiziert, und sich dadurch schwĂ€cht. Er unterwirft sich also seiner eigenen Schöpfung und erfĂ€hrt sich durch die Unterwerfung in einer entfremdeten Form. [...] Das Idol mag als Gott der Barmherzigkeit gepriesen werden, dennoch wird jede Grausamkeit in seinem Namen verĂŒbt, so wie der entfremdete Glaube an die menschliche SolidaritĂ€t die unmenschlichsten Taten nicht einmal in Frage stellt. Im Habenmodus ist der Glaube eine KrĂŒcke fĂŒr alle jene, die Gewißheit wĂŒnschen, die einen Sinn im Leben finden wollen, ohne den Mut zu haben, selbst danach zu suchen.

Denkt man an diverse Idole der grĂŒnen Ersatzreligionen, so entfalten Fromms Zeilen ihre analytische Klarheit.

Der Kult um das goldene Kalb von Kyoto wird immer öfter als Religion bezeichnet (auch wenn die Auferstehungszeremonie in Kopenhagen ein totaler Reinfall war), und das kommt nicht von ungefÀhr.

In diesem Licht sollte man auch die jĂŒngsten “EnthĂŒllungen” rund um Climategate betrachten, aber beginnen wir erst mal bei der Quelle:

Die UniversitĂ€t East Anglia, 1963 von der britischen Regierung unter dem Motto “Do different” gegrĂŒndet, hat mit der bereits 1971 etablierten Climatic Research Unit eine lange Tradition. Interessanterweise gehörten zu den GrĂŒndungssponsoren dieses Institutes die British Petroleum und Royal Dutch Shell (ein Punkt, der von KlimaglĂ€ubigen gerne verschwiegen wird).

GrĂŒnder und erster Direktor des Institutes war Hubert Lamb, der den QuĂ€kern (einer Christlichen Glaubensrichtung) angehörte (nebenbei ser erwĂ€hnt, dass die GrĂŒndung von Organisationen, wie Amnesty International, Campaign for Nuclear Disarmament oder Oxfam von QuĂ€kern gegrĂŒndet wurden – und auch viele der Greenpeace-GrĂŒnder QuĂ€ker waren).

Die quÀkische Motivation (manche sagen Theologie dazu) lÀsst sich bei deren bekanntestem und respektiertestem Sprecher William Penn nachlesen:

Was den ersten Punkt betrifft, so ist klar, daß ein ungezĂŒgeltes Verlangen nach hoher Erkenntnis das Elend des Menschen herbeifĂŒhrte, und einen allgemeinen Fall von der Herrlichkeit seines ursprĂŒnglichen Zustands verursachte. [...] Alle, die das herrliche Gesetz Gottes in ihren Herzen ĂŒbertreten haben, sind wirkliche Kinder seines Ungehorsams. [...] Sie haben gegen das von Gott empfangene Maß des Lichts und der Erkenntniß gesĂŒndigt, den göttlichen Geist betrĂŒbt und daher auch die ErfĂŒllung des schrecklichen Ausspruchs erfahren: „Welches Tages du davon issest, wirst du des Todes sterben.

Penn vertrat einen Universalismus und forderte eine Liga, die den Weltfreieden erzwingen sollte – wenn nötig, mit Waffengewalt.
Große Teile der US-amerikanischen Protestanten sind von dieser Ideologie beeinflusst. Im Jahre 1942 wurden sĂ€mtliche protestantischen Kirchen der USA aufgerufen,an der Umsetzung folgender Ziele mitzuwirken:

Als christliche BĂŒrger mĂŒssen wir versuchen, unseren Glauben in praktische RealitĂ€ten umzusetzen und eine öffentliche Meinung zu schaffen, die sicherstellen wird, daß die vereinigten Staaten ihre essentielle Rolle bei der Schaffung eines moralischen internationalen Lebens in vollen Ausmaß ĂŒbernimmt.

Die Ziele mögen “zum Wohle der Menschheit” gemeint sein, ist es doch jene Erde, der auch der Club of Rome entstiegen ist – Die Grenzen des Wachstums, eine der ersten Schriften, die eine BeschrĂ€nkung von Ressourcen zum Wohle der Menschheit forderte (ein Endziel , das auch der moderne Ablasshandel mit Emissionsrechten verfolgt).

Schließlich passt auch das Endziel der Großen Transformation sehr gut in diesen Rahmen:

Demokratische Regime sind nicht gut vorbereitet fĂŒr das Niveau der Teilnahme, welche gefordert ist. Können freie demokratische Gesellschaften fertig werden mit den Ergebnissen von gravierendem Wechsel im globalen Klima, oder wĂ€ren autoritĂ€re Regime möglicherweise besser platziert, um die notwendigen Maßnahmen zu erzwingen?

Nein, hier soll keine internationale Verschwörung “aufgedeckt” werden, es geht lediglich um potentiell religiöse Motive einer Reihe von Protagonisten in diesem Spiel.

TatsĂ€chlich erinnert die Kontroverse um die Globale ErwĂ€rmung lĂ€ngst an einen Glaubenskrieg – allein die Bezeichnung der “politischen” Gegner als “Klimaleugner” lĂ€sst tief blicken.

Und schließlich fehlt noch ein Aspekt zur perfekten Bergpredigt: die Didaktik. HierfĂŒr hat das zustĂ€ndige Ministerium der britischen Regierung praktischerweise einen Kommunikationsleitfaden verfasst:

the rules of the game – Evidence base for the Climate Change Communications Strategy (The game is communicating climate change; the rules will help us win it.)

Das “Überprinzip” dieses Leitfadens lautet:

“Changing attitudes towards climate change is not like selling a particular brand of soap – it’s like convincing someone to use soap in the first place. ”

Auch die Einleitung ist nicht uninteressant:

These principles were created as part of the UK Climate Change Communications Strategy, an evidence-based strategy aiming to change public attitudes towards climate change in the UK. This is a ‘short version’ of a far longer document of
evidence that can be found at www.defra.gov.uk.

There is plenty of evidence relating to attitudes towards and behaviour on climate change, general environmental behaviour change and the whole issue of sustainable development communication. As we reviewed the research for these principles, one â€˜ĂŒberprinciple’ emerged:

“Changing attitudes towards climate change is not like selling a particular brand of soap – it’s like convincing someone to use soap in the first place. ”

At first glance, some of the principles may seem counterintuitive to those who have been working on sustainable development or climate change communications for many years. Some confront dearly cherished beliefs about what works; a few even seem to attack the values or principles of sustainable development itself.

However, these principles are a first step to using sophisticated behaviour change modelling and comprehensive evidence from around the world to change attitudes towards climate change. We need to think radically, and the Rules of the Game are a sign that future campaigns will not be ‘business as usual’. This is a truly
exciting moment.

Das zugehörige Strategiepapier kann beim britischen Umweltministerium nachgelesen werden:
An Environmental Behaviours Strategy for DEFRA. Scoping Report, December 2006. Einige AuszĂŒge aus dem strategischen Plan der britischen Ökologisten:

The strategy needs to demonstrate urgency and magnitude, creating the sense that there is a seismic shift under way that matches up to the scale of the challenge.
[...]
Policy action needs to be rooted in an understanding and awareness of consumer behaviour.  A set of best practice principles, based on research from academics, NGOs and other organisations, including Futerra’s Rules of the Game and the New Rules of the Game for Climate Change, 2006, is set out in box 3 and in more detail at annex C.
[...]
We need to establish a strong evidence base, linking segmentation to values, attitudes and behaviour and tracking change over time.
[...]
The strategy needs to show people they are part of something bigger and part of a collective movement, spanning the public sector, business and the third sector.
[...]
Based on the social marketing theory, our strategy therefore needs to address four behavioural domains:
‱ Behaviour formation and establishment;
‱ Behaviour maintenance and reinforcement;
‱ Behaviour change;
‱ Behaviour controls.

Eigentlich ist dem nicht mehr viel hinzuzufĂŒgen. Falls die p.t. Leserschaft diese HintergrĂŒnde noch nicht gekannt haben sollte, könnte die eine oder andere politische (oder gar juristische) Entscheidung nun in einem anderen Licht erscheinen.

Im Grunde sind die GlĂ€ubigen des Kyoto-Kultes auch nur Menschen, die zudem das “Wohl der gesamten Menschheit” als oberstes Ziel vor Augen haben.

Aber wie jede Sekte mögen sie bitte ihren Glauben fĂŒr sich behalten, wir haben schon die Hare-Krishna SĂ€nger in den FußgĂ€ngerzonen und die Wachturm-VerkĂ€ufer an unseren HaustĂŒren. Allerdings betreiben die Klimaapokalypenpropheten ihre Missionsarbeit wesentlich professioneller (”based on the social marketing theory”), als alle bislang da gewesenen Religionen.

Bleibt noch die Hoffnung, dass angesichts des religiösen Eifers, mit dem inzwischen vielerorts fĂŒr die “gute Sache” GekĂ€mpft wird, in Zukunft noch mehr Skeptizismus aufkeimt.

Immerhin gibt es inzwischen 500 peer reviewte wissenschaftliche Publikationen, die der Klima-Kirche von Kyoto ein Dorn im Auge sind – und tĂ€glich werden es mehr…

An dieser Stelle sei Rahim Taghizadegan gedankt, dessen Scholien einige Anregungen und Zitate zu diesem Artikel entnommen wurden.