28.12.2008

105 Prozent!

» Klimaschutzpolitik, Klimawandel, Kurioses, News, Personen » Autor: Hans G. Bronik — Drucken

Es ist zwar schon etwas mehr als ein Monat her, dass NASA Klimapabst James Hansen ein Interview in der Zeit gab, aber bemerkenswert ist dieses Interview allemal.

Hansen scheint in der jüngsten Vergangenheit solche Auftritte zu lieben. So trat er auch als Zeuge in einem Prozess gegen sechs “Öko-Aktivisten” auf, um über die Globale Erwärmung zu predigen, und was diese tapferen Männer mit ihrer “Heldentat” (Sachschaden 44.000 €) alles verhindert hätten.

Doch nun zum Interview. Kritische Wissenschaftler bescheinigen Klimaforschern nicht gerade das beste Verständnis in Bezug auf statistische Methoden oder Prognosewissenschaften, aber Hansen hat in diesem Interview sicherlich den Vogel abgeschossen. Denn Auf die Frage,

Welchen Anteil hat der Mensch an der gegenwärtigen Erderwärmung?

antwortete er tatsächlich

Zwischen 100 und 105 Prozent.

Angesichts dieser Antwort stellt sich einem kritisch denken Menschen die Frage: Wovon fantasiert dieser Mann eigentlich?

Aber das Interview enthält neben den hinlänglich bekannten Parolen über Peak Oil und gegen die böse dreckige Kohle noch andere Geistesblitze.

So schlägt er vor:

Aber der Ölpreis geht rauf und runter. Sinkt er, sollte man die Steuer erhöhen. Vor allem finde ich, das Steueraufkommen sollte den Bürgern zu 100 Prozent erstattet werden. Dann hätten sie neues Geld, um energieeffiziente Technik und alternative Energien zu bezahlen.

Auf so eine Idee muss man erst einmal kommen. Bei sinkendem Ölpreis sollte eine Behörde tätig werden, um die Steuer auf Öl zu erhöhen (man möge sich den hierfür erforderlichen Beamtenapparat ausmalen, der für die Berechnung, Gesetzesänderungen, Vorschreibungen und Kontrolle der Einhaltung dieser sich ständig ändernden Steuersätze nötig wäre, ganz zu schweigen vom Aufwand für jeden, der mit Erdölprodukten handelt und diesen Unfug umsetzen müsste), um dann die eingehobenen Steuern dem Bürger zu 100% zu erstatten.

Man inflationiert also einen Verwaltungsapparat, verbrennt darin quasi Unsummen um eine ständig wechselnde Steuer einzutreiben, um dann die solchermaßen eingetriebenen Zwangsabgaben zu 100% zu erstatten (im Glauben, dies würde dann in energieeffiziente Technik und alternative Energien fließen). Da könnte man ebenso gut die dafür nötigen Beamten abschätzen und mit vollen Bezügen in Rente schicken, das würde wenigstens nicht die Wirtschaft mit unnötigen Verwaltungsaufgaben belasten.

Und schließlich glaubt er auch noch, dass er dadurch die Bevölkerung ruhig stellen kann:

ZEIT: Sie wollen Zustimmung kaufen.

Hansen: Nein, ich will verhindern, dass die Bürger wütend werden und die Regierung zu Fall bringen. Wenn die Steuer wirken soll, muss sie nämlich hoch sein, also wehtun.

Exorbitante Steuern und anschließende 100%-Erstattung sollen in der ökologistischen Welt des James Hansen also auch die Bevölkerung beruhigen und Aufstände verhindern können. Anscheinend hat er bei seinem Besuch in Großbritannien nicht mitbekommen, dass sich dort inzwischen massiver Widerstand gegen die ökologistische Politik die britische Regierung in der letzten Zeit massive Wäherstimmen kostet und eben diese Unzufriedenheit schürt. (Benny Peiser berichtet laufend auf AchGut)

Ganz unökologistische Ansichten hat Hansen allerdings zur Kernenergie:

Tatsächlich aber müssen die Klimaschützer eine harte Wahl treffen:
Entweder geben sie ihren Widerstand gegen Kernkraft auf, oder sie
können den Klimawandel nicht stoppen. Klar ist: Es war falsch von der
US-Regierung, 1994 die Erforschung von Atomkraftwerken der vierten
Generation abzubrechen.

um dann zu dem Schluß zu kommen:

Kernkraftwerke braucht man wohl trotzdem.

Und auch zum Thema Lichtenergie in Deutschland verbreitet Hansen “ketzereische Ansichten”:

Wenn man sich nur anschaut, wie viel Anstrengung dort in die Erforschung der Solarenergie geht. (lacht) Ein furchtbares Land dafür, zu wolkig, zu weit im Norden.

Schließlich stellt sich die Frage, in welche Form okologistischer Energien die von Hansen fantasierten Steuern gesteckt werden sollen?

In Biosprit? In Solarenergie? In Winmühlen?

Es wäre zu wünschen, würde Hansen erst mal die Geheimnisse der Prozentrechnung erforschen, bevor er weitere Schauergeschichten verbreitet…

8 Antworten zu “105 Prozent!”

  1. Calimero Says:

    Scheint mir ‘n bissl Banane zu sein, der Kumpel. Aber da reiht er sich ja nahtlos ein bei Schellnhuber, Graßl, Scheer und Alt … (Liste erweiterbar).

    Gruß, Calimero

  2. Rainhelt Says:

    105%… lol

    Gruß Rainhelt
    P.S.: Klimababst? ;)

  3. Latoan Says:

    #2 Rainhelt

    Klari, “Klimababst” steht doch bestimmt im (hessischen) Duden.

    Ich werde nie vergessen, wie damals der Hauptgefreite Mehmet Dogran Dogruyohl, Sohn türkischer Einwanderer, aufgewachsen im tiefsten Hessen, an die Tafel des Kompanieunterrichtsraumes “Eid und feielisches Gelöbnis” schrieb. Mein Gott, was haben wir uns gebogen vor Lachen.

    Aber Prozentrechnung konnte er. Bestimmt…

  4. kulturgut Says:

    dass der tiefere sinn der co2-verdammung nicht wirklich eine reduktion der anthropogenen emissionen sein kann scheint mittlerweile einigen agw-advokaten aufzugehen

    http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/458184

    was ist dann der tiefere sinn eines supranationalen klimaregimes? das können wir – ohne düstere verschwörungstheorieen – nur vermuten, aber die im artikel angedeutete leidenschaft für eine hoch aufgelöste bürokratische kontrolle des verhaltens jedes individuums ist sehr auffällig bei agw-offiziellen. wenn diese obrigkeitliche lebensstil- und mobilitätsüberwachung ein wesentliches motiv hinter den vielen absurditäten der klimareligion sein sollte, dann sind auch solche tax-and-dividend-modelle durchaus logisch.

  5. Iceager Says:

    Ins gleiche Horn bläst wieder einmal HJS heute in der ‘Saaarbrücker Zeitung’:

    “Wir sind auf dem Weg zur Destabilisierung des Weltklimas viel weiter fortgeschritten, als die
    meisten Menschen und ihre Regierungen denken”. So deute vieles darauf hin, dass derzeit einige globale Klima-”Kipppunkte” aktiviert würden. Das arktische Meereis etwa schmelze schneller als erwartet, zudem
    gebe es Anzeichen, dass das gesamte Klimamuster am Nordpol “bereits in einen neuen Zustand umgeschlagen ist”.

    Aber Dank HJS dräut Rettung, wenn wir nur dessen weisen Ratschluss folgen:

    “Nur wenn die Erderwärmung bei zwei Grad gehalten
    werde, könne man die meisten dieser Kipp-Vorgänge vermeiden, “möglicherweise aber nicht alle”. Dazu müsse der globale CO2-Ausstoß bis 2050 halbiert werden, was für die Industrieländer ein Minus von
    80 bis 90 Prozent bedeute. Bis 2020 müsse dieser Prozess eingeleitet sein. “Wenn nur eine Seite versagt, Industrieländer oder Schwellenländer, dann ist ein desaströser Klimawandel unvermeidbar.”

    Der Man gehört nicht in den Beraterstab der Regierung, sondern in ein Heim, festverschlossen, ausbruchsicher.

  6. Mueller Says:

    @Iceager

    Habe ich auch grade im Radio gehört.

    http://www.dw-world.de/dw/function/0,,12356_cid_3907033,00.html

  7. Energie-Ossi Says:

    Ehhh, passend zum Thema ein herrlicher Artikel bei der “Welt”.

    Auch Weltverbessern will gelernt sein

    So könnte man am Ende des Jahres eins nach dem Annus horribilis fragen, jenem Jahr 2007, in dem uns vier Mammutkonferenzen den Weltuntergang predigten – und alle anderen, nicht minder brennende Themen verdrängten. Ging nicht kürzlich wieder so eine Veranstaltung zu Ende? Richtig, in Posen, genau. Auch wieder mit 11?000 Teilnehmern. Sie aber war nur ein paar Meldungen wert. Verdrängt von der Finanzkrise, auch Katastrophenmüdigkeit. Man darf gespannt sein, welchen Stellenwert das Thema 2009 einnehmen wird. Manches deutet auf ein Revival hin: Der neue US-Präsident Barack Obama will großen Anlauf nehmen. Und im Dezember wird die nächste große UN-Konferenz in Kopenhagen zusammentreten, auch sie wieder mit über 10?000 Teilnehmern.

    In Dänemark ist für das Großereignis ein eigenes Ministerium eingerichtet – auch dies ein Zeichen der Zeit: Klimaindustrie, Klimabürokratie und Klimaforschung bilden den am stärksten expandierenden Bereich der globalen Ökonomie. Wer in Zeiten des Kalten Krieges den „militärindustriellen Komplex“ an den Hebeln sah, könnte heute mit guten Gründen den „klimaindustriellen Komplex“ ins Visier nehmen. Eine hungrige Maschinerie, hungrig nach Steuergeldern, nach Subventionen. Eine kräftige Lobby, viele Milliarden schwer, vernetzt in alle Schaltzentralen. Und in die Medien, die übertriebene Katastrophenmeldungen nur zu gern ungeprüft weitertragen. Dennoch: Bei der Konferenz in Posen und dem gleichzeitigen EU-Gipfel zum Klima deutete sich ein zaghafter Paradigmenwechsel an: Das maximale Klimaziel war nicht mehr das Axiom, aus dem sich die Entscheidungen aller anderen Bereiche einfach nur ableiten durften. Keine Klimapolitik, die Arbeitsplätze gefährdet!, forderte die Kanzlerin fast mutig. Zur Not eben allzu ehrgeizige Klimaziele mildern!, räsonnierten Regierungschefs einiger Länder, aber auch einer der einflussreichsten Europäer, Jean-Claude Juncker……

    http://www.welt.de/wissenschaft/article2942177/Auch-Weltverbessern-will-gelernt-sein.html

    Auch die Kommentare sind sehr lesenswert…..die Warmaholics scheinen alle noch mit fettgefressenden Bäuchen faul im Bett zu liegen, keiner von denen hat bis jetzt kommentiert.
    So kann es ruhig weiter gehen, deren 0815- Gesülze fehlt mir überhaupt nicht.

    Grins und wech

  8. Iceager Says:

    Typisch. Egal welchen Stuss HJS ablässt, sofort springt’n Medienfuzzi bei und läßt diese Knallcharge vom Weltuntergang fabulieren. Ohne Recherche, ohne jedes Hintergrundwissen. Ohne jede Eionordnung oder Gegenargument. Ich schäme mich manchmal für meine Kollegen…